Türkei, Wandern

Tage 255 bis 257 von bunterwegs2nepal: Von Ordu nach Espiye, Türkei

Das Referendum ist durch, die Reise kann weiter gehen.

Vom Glück verfolgt werde ich die letzten Tage bzw. Wochen allerdings nicht.

18. April 2017

Ordu – Piraziz
circa 22 km

Spontan hatte ich gestern noch einen Pausentag eingeräumt.

Nicht, weil es vor Ort (der Wahlen wegen) ungemütlich war oder aus sonst einem Grund. Einfach so.
Weil mir danach war.
Na gut.
Einfach so auch wieder nicht.

Schon beim Packen meiner Sachen hab ich irgendwie die Hälfte vergessen und auch auf dem Weg zum Frühstück, wäre mir beinahe der Zimmerschlüssel abhanden gekommen. Er flog nämlich Richtung Aufzugschachschlitz (HA! Was für ein Wort) und wäre dort, aber auch nur, fast hineingerutscht. Da dachte ich mir schon: Nee besser im Bett bleiben.

Der heutige Tag dagegen war super. Alles war schnell eingepackt, es gab sogar wieder Frühstückbuffet.

Zu Beginn vertraute ich noch dem Wetterbericht. Immerhin war es bewölkt.

Doch das Wetter war traumhaft. Einfach perfekt zum Wandern. Dabei war für heute eigentlich Regen, sogar Gewitter, angekündigt. Ich befürchtete aber schon einen Sonnenbrand im Gesicht.

Die Strecke heute verlief nur, wie immer, an der Straße entlang. Mit Blick zum Meer. Zumindest eine Weile.

Nach knapp 20 km entschied ich mich, die Strecke zu verkürzen. Morgen würden eh nur 15 km anstehen, dann übertrage ich die letzten 10 km lieber auf morgen. Allerdings fand ich nur ein Hotel in der Nähe, das laut Google mal wieder viel zu teuer war. Aber Google spuckt ja hin und wieder auch andere Möglichkeiten aus – nicht zuverlässig, aber das ist eine andere Geschichte.

Da ich es vorher noch nie probiert hatte, sollte heute der Tag der Tage sein: Einfach mal in so einem Lehrerhaus anfragen. Und prompt hab ich eine Unterkunft bekommen.

Zu der politischen Lage / Situation und dessen Vorgang möchte ich mich nicht groß äußern.*

Nur so viel: Vor Ort ist alles ruhig. Für mich sind noch keine Veränderungen spürbar – also wie die Leute miteinander und mit mir umgehen.

Übrigens überlege ich, meine Route zu verändern: Nicht von Trabzon aus in „die Tiefen“ der Türkei zum Iran, sondern über Georgien und Armenien zum Iran. Das wäre zwar ein „Umweg“ – aber soweit ich gehört habe, ein schöner.

Hat jemand Erfahrungen oder Tipps? Eher „direkt“ zum Iran oder den Umweg mitnehmen?*²

*Das war mir zu dem Zeitpunkt zu riskant. Immer wieder wurde ich von der Jandarma aufgegabelt. Diese fragte sogar nach meinen Social Media Accounts.

*² Wer mir folgt, wird ja wissen, dass ich über Georgien und Azerbaijan gegangen bin.

19. April 2017

Piraziz – Giresun
circa 26 km

Nach einer entspannten Nacht machte ich mich gegen 8 Uhr auf den Weg.

Als ich aus dem Fenster schaute, sah die Welt noch recht trocken aus. Draußen erwartete mich dann aber fieser (Niesel)Regen. Kann auch Vorteile haben: Immerhin wurde meine Regenhose mal wieder gewaschen. Nach einer Weile hörte es aber zum Glück auf.

Vorgefallen ist unterwegs nichts spannendes. Die Strecke verlief fast die ganze Zeit von Ort zu Ort – so konnte ich auf einem Seitenstreifen gehen. Erleichtert es natürlich um einiges.

Da ich, wie auch die letzten Wochen, der Straße folge, ist es auf der einen Seite angenehm: Ich kann meine Gedanken schweifen lassen. Muss mich nicht auf die Navigation konzentrieren. Auf der anderen Seite aber auch anstrengend: Der ständige Straßenlärm und trotzdem muss meine Konzentration immer oben sein.

Am Zielort angekommen, suchte ich nach einem Hotel.
Laut Google lagen alle bei knapp 40 Euro (was läuft da eigentlich schief?).
Gefunden habe ich dann ein Zimmer für circa 12 Euro (50 Lira).
Die Zimmer schwanken von Luxus und Größe immer, aber ich würde mich ja auch schon über einen Fußboden freuen. Daher sind meine Erwartungen, was das angeht, immer recht Bescheiden.

Wenn ich so zurück denke: Ich bin aber manchmal auch schon in Absteigen gelandet.

In dem Ort hier fühle ich mich ganz wohl – bin ich es seit Samsun ja auch wieder gewohnt, in größeren Orten und Städten unterwegs zu sein.

Man glaubt aber kaum, wie überfordernd es sein kann, wenn man zuvor wochenlang nur in kleinen Dörfern und Orten unterwegs war. Diese Geräuschkulisse, die vielen Menschen und dieser ganze Verkehr.

 

20. April 2017

Giresun – Espiye
circa 38 km (davon circa 20 zu Fuß)

Schon seit ein paar Tagen hatte ich das Gefühl, dass da mit meinen Füßen was nicht so ganz richtig ist. Habe ich doch schon seit ein paar Tagen Schmerzen, die sich auch über Nacht nicht wirklich verabschieden. Das hatte ich schon lange nicht mehr und war erst mal ein wenig irritiert.

Vom „zu vielen gehen“ kann es nicht sein. Die Etappen waren nicht all zu lang und Erholung hab ich den Füßen auch genug gegönnt. Also muss da etwas anderes hinter stecken und so wie ich vermute, wird es eine Entzündung sein. Denke aber, durch meine Einlagen (die ich die letzten Monate nicht mit hatte) ist das Problem schnell wieder behoben. Mehr dazu in meinem Gedankenfetzen am Ende des Posts.

Als ich heute morgen aufwachte, war ich aber erst mal guter Dinge: Die Sonne schien. Besser kann es doch gar nicht kommen.

Vor allem war die Strecke mal wieder super. Zwar an der Straße entlang, aber dafür immer das Meer im Blick. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich diese Aussicht mittlerweile für selbstverständlich hinnehme.

Eigentlich erschreckend. Doch dann halte ich kurz inne; die Sonne schenkt mir etwas Wärme und ich habe diesen Duft von Meer in der Nase. Das erinnert mich dann wieder daran, wie besonders dieser Moment eigentlich ist. Dass ich jetzt gerade hier stehe bzw entlang gehe.

Aus Angst meinen Füßen größeren Schaden zuzufügen, entschied ich mich dann einen Teil mit dem Mini-Bus zurückzulegen. Denn dort wo ich gerade war, gab es keine Möglichkeit, eine Unterkunft zu suchen.

Mit meinem Rucksack gar nicht so einfach, da diese Busse nicht die geräumigsten sind. So saß ich etwas eingequetscht zwischen zwei Herren auf der Rückbank, während einer freundlicherweise meine Trekkingstöcke hielt.

Die Fahrt war für mich gratis.
Danke an den unbekannten Fahrer / Kassierer.

Mini Bus fahren ist eigentlich auch ein Abenteuer für sich.
Finde das System hier in der Türkei aber super. Man kann eigentlich überall ein- und aussteigen.

Gedankenfetzen zum heutigen Tag

Gerade habe ich das Glück ja mit Löffeln gefressen .. nicht …

Jetzt wo es mir mental eigentlich wieder ganz gut geht – wobei ich heute mal wieder ein kleinen Knick hatte – fangen meine Füße wieder an, Probleme zu machen. Vermutlich deswegen auch der „mentale Knick“ …

Wer schon von Anfang an dabei ist, kann sich vielleicht noch daran erinnern: Ganz zu Beginn (da war ich noch in Deutschland), hatte ich mal Probleme mit dem linken Fuß. Ich bin dann damit trotzdem bis Bratislava gelaufen. In der Winterpause – wo ich dann auch noch so krank wurde, bin ich auch zum Orthopäden gegangen, der mir Einlagen verordnet hat.
Seit dem war auch alles super so weit. Zumindest auf der Wanderung hatte ich keinerlei Probleme. Daheim, im normalen Alltag, dann schon eher. Besonders beim Sport ist mir das aufgefallen. Da hat es mir am meisten Probleme bereitet.

Dann hab ich ja neue Wanderschuhe bekommen. Da passten irgendwie die Einlagen nicht rein. Also bin ich jetzt ohne los gelaufen. War bisher auch alles kein Problem und ich war echt überrascht, dass das so gut läuft und auch das „alte Problem“ nicht wieder aufgetreten ist.

Bis vor zwei oder drei Tagen. Derzeit bekomme ich aber wieder Probleme. Dieses Mal ist aber der ganze Fußbereich (beide Füße) betroffen. Da ich natürlich nicht möchte, dass das weitere Folgen hat, überlege ich, ob ich nun schon ein paar Tage eher in die mehr-tägige Pause gehe. Mehr-tägige Pause, weil mich meine Mama und eine Freundin nächste Woche besuchen kommen. Darauf freue ich mich schon sehr!

Wie auch immer:
Die nächsten beiden Etappen sind eher kürzer, die würde ich gerne noch begehen. Und dann werden mir die Einlagen wieder mitgebracht. Ich geh stark davon aus, dass das Problem damit dann schnell wieder behoben ist.

Warst du nach en ganzen Disskusionen mal wieder in der Türkei? Haben dich die ganzen Diskussionen eh nicht interessiert? Warst du während der Diskussionen sogar vor Ort?

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